|
|
Ausgabe 24
Schlechtflieger MAGAZIN nähert sich Ausgabe 25. Zunächst gibt's aber erstmal noch Ausgabe 24. Und die hat es in sich. Jerome Sarthe eröffnet mit zwei traumhaften Bildern aus El Bolso, danach folgt unser großes Dossier: "Sicher fliegen" mit einem Artikel von schlechtflieger Chefredakteur Andy Kohn und zwei interessanten Interviews mit Helmut Sobek und Wolf Schneider, beide vom Beruf Flugschullehrer. Michel Ferrer führt uns durch eine Welt von kleinen Pannen und Missgeschicken, Thomas Keller stellt uns Jütland vor, Ralf Piotrowiak sucht verzweifelt nach seinem Traumflügel und Thomas Weissenberger fliegt mit dem Drachen von Lanzarote nach Fuerteventura. Das war natürlich nur ein kleiner Ausschnitt, den Rest gibt es dann im Heft.


Ein Tag in El Bolson Das Dorf El Bolson liegt idyllisch in einem Urstromtal, nahe dem Nahuel Huapi Park in Patagonien, Argentinien, unweit der chilenischen Grenze. „La Casa" heißt das große, hölzerne Haus, das Martin und Mariella bewirtschaften. In ihrem Domizil, vor dem ein großer, grüner Landeplatz liegt, fühlten wir uns schnell zu Hause. Es ist schwer, sich nicht in hausgemachte Leckereien aus Schokolade und Eis zu verlieben, genauso wie in das selbstgebraute Bier. Im Sommer wird es im Haus sehr lebendig, wenn Piloten aus aller Welt es bevölkern, um die Flugbedingungen hier zu genießen. Hier werden sie „Los Amigos del Mundo" genannt.

Dossier Sicherheit: Schluss mit Sicherheit Im DHV-Forum hat ein Pilot mit einem Beitrag Aufsehen erregt, als er eine Diskussion über Fliegen ohne Retter anstieß. Natürlich dauerte es nicht lange, bis er von einigen Sicherheitsaposteln darüber aufgeklärt wurde, dass seine Überlegungen völlig dumm seien. Unter diesen Sicherheitsaposteln sind naturgemäß auch solche, die viel schreiben und wenig fliegen. Ihre Gegenwart ruft relativ bald Piloten auf den Plan, die etwas mehr fliegen. In diesem Fall waren besonders diejenigen gefragt, die nicht immer nur mit der Gondel auf den Berg fahren, sondern auch einmal zu Fuß hinauf gehen. Bei bestimmten Touren und bestimmtem Wetter kommt es für sie durchaus in Frage, den Retter zu Hause zu lassen. Manche sehen das ein, andere sind hartnäckig kategorisch – fliegen ohne Retter liege irgendwo im Spektrum zwischen ordnungswidrig und wahnsinnig. Wirklich Neues kam denn in der Diskussion auch nicht heraus. Trotzdem lässt sich ihr etwas abgewinnen. In ihr offenbart sich eine interessante Grundhaltung gegenüber dem Umgang mit Gefahren, die gerade in Deutschland, so scheint mir, weit verbreitet ist. Es ist die Meinung, dass es eine Form von Fliegen gäbe, die sicher sei.

Dossier Sicherheit: Ein Landeplatz in 500 Metern Höhe Wolf Schneider meint es ernst: Bevor er seine Drachenflugschule an seinen Nachfolger übergibt, soll das Drachenfliegen wieder genauso attraktiv wie das Gleitschirmfliegen sein. Sein Weg dorthin ist klar, er führt über bessere Schulung und schließlich bessere Piloten. Freude am Fliegen geht nur über Sicherheit, und die gibt es nur gegen Training. Keine Frage also, Wolf Schneider ist der Mann für das Thema dieser Ausgabe. SFM: Schick hast Du es hier in Grünwald. Wolf: Ja, das war ein ganz guter Griff. SFM: Hast Du bekannte Nachbarn? Wolf: Naja, der eine hält die Bälle im Tor des FC Bayern, der andere moderiert eine Fernsehshow, aber den kannte ich auch schon, ehe ich hier hergezogen bin… SFM: …woher das denn? Wolf: Weißt Du nicht, dass ich Lockvogel war bei der versteckten Kamera? SFM: Was Du nicht sagst! Wann war denn das? Wolf: 1995 bis 2002, ich hab 62 Sendungen fürs ZDF gemacht und 20 für SAT1. SFM: Da bin ich baff! Wolf: Das war eine ganz interessante Arbeit, die Leute reinzulegen ist schon eine ganz spezielle Kunst… SFM: …so ein typischer Fluglehrer aus der Anfangszeit des Drachenfliegens müsste das ja ganz gut können. Wolf: [lacht] SFM: Ich wollte Dir da jetzt nix unterstellen… Wolf: …naja, es gab ja gerade in der Anfangszeit schon ein paar spezielle Typen in der Szene. Aber die haben sich meist nicht lang gehalten.

Dossier Sicherheit: Die Weiterentwicklung des Piloten
Das Frühjahr ließ in diesem Jahr lange auf sich warten. Jetzt sind fast alle Piloten heiß auf die Saison. Zeit, das Thema Sicherheit aufs Tapet zu bringen. Helmut Sobek ist Leiter der Flugschule Salzburg, Mitglied im DHV/ÖAEC Lehrteam und im flugtechnischen Bereich beratend für den Österreichischen Aeroclub tätig. Seine Flugschule ist bekannt für hohe Ausbildungsqualität, Aushängeschild ist das jährliche Salzburger Fortbildungsforum. Ein Gespräch über Sicherheit zum Saisonstart. SFM: Sicherheit ist ein weites Thema. Wir beginnen heute einmal ohne Frage und lassen Dich den Einstieg machen. Helmut: Gerne. Mir fällt da ein Vergleich ein. Mit der Sicherheit ist es ein bisschen so wie mit der Free Flight-Messe: Da meinen manche, sie kennen schon alles und gehen einfach nicht mehr hin. So ähnlich funktioniert auch die Selbstwahrnehmung mancher Piloten: ich weiß alles und kenne schon alles. Viele Piloten wollen nicht wissen und nicht glauben, dass der Sport ein lebender Sport ist, alles entwickelt sich weiter – die Schirme, die Gurtzeuge und auch die Flugtechnik der Piloten. Stattdessen bleiben sie auf dem Stand ihrer Ausbildung. Je länger diese her ist, umso größer sind die Probleme, die das bereiten kann. Generell gilt das aber für jeden Piloten. [Das Telefon klingelt. Ein Pilot hatte vor kurzem einen Unfall und berichtet Helmut davon.] SFM: Welches Pech hatte der Kollege? Helmut: Ist mit dem Hochleister im Lee rumgeflogen, eigentlich kein Wunder. SFM: Fliegen Deiner Ansicht nach viele Piloten die falschen Schirme? Helmut: Oh ja! Da scheint sich eine neue Unsitte einzuschleichen. Heute wird von manchen Flugschulen erzählt, dass die Piloten jeden Schirm fliegen können, zumindest die 1er und 1-2er. Offenbar glauben manche Fluglehrer, es gäbe da wenig Unterschiede hinsichtlich der Sicherheit, dank der technischen Weiterentwicklung der vergangenen Jahre.

Missgeschicke und kleinere Unglücke Zweifelsohne gehört Ölüdeniz zu den schönsten Fluggebieten der Welt. Gigantische zweitausend Meter Höhendifferenz, direkt am Meer, über malerischen Stränden. Gleitschirmreisen aus aller Herren Länder finden sich hier ein, mit hunderten Piloten. Keine Sorge, es ist deshalb kein besonders gefährliches Fluggebiet. Aber so viele Piloten in Urlaubslaune – das führt beinahe zwangsläufig zu skurrilen Bildern. Michel Ferrer hat die Augen aufgehalten, und mit seiner Kamera eingefangen, wie es manchmal laufen kann.

SPEEDFLYING COLUMBIA PRO LES ARCS 2008 Der Name ist etwas umständlich: Speedflying Columbia Pro Les Arcs. So hieß ein hochkarätiger Wettbewerb der neuen Disziplin in der Nähe von Albertville (Savoyen). Über 100 Kandidaten aus zahlreichen Ländern hatten sich für das Ereignis beworben, aber nur 25 Toppiloten aus 6 Nationen wurden letztendlich ausgewählt. Die Prüfungen waren zum Teil neuartig und spektakulär. Doch es ging nicht allein um Wettbewerb: Es sollte natürlich auch eine super Promotion für den neuen Sport werden. Francois Bon, Test- und Entwicklungspilot des Mini-Schirms von Gin Gliders, organisierte diesen Wettkampf im Wesentlichen. Sein Ziel war, die Natur der Bergwelt in ihrer ganzen Breite zu zeigen. Gleichzeitig wollte er auch durch exakte Geschwindigkeitsmessung mögliche Proteste der Piloten gegen die Wettkampfwertung der Jury eingrenzen. Das Genialste an der Speedflying Pro war das Zusammenspiel verschiedenster Fähigkeiten der Skifahrer, Gleit- und Fallschirmpiloten. Im Wettkampf des vergangenen Jahres gewann der französische Profifallschirmspringer Loic Jean-Albert mit einem superkleinen Schirm von nur 6 m². Dieses Jahr bestand die Auflage für alle Piloten, dass Schirme von mindestens 7 m² zu verwenden seien.

Zu zweit am Motorschirm In der letzten Ausgabe wurde das doppelsitzige Motorschirmfliegen per Fußstart vorgestellt. Als Reaktion auf die recht komplexe und kraftraubende Fußstart-Variante und den Schwierigkeiten bei der Bewältigung der „Lärmhürde", konzentrierten sich in den letzten Jahren mehrere Hersteller in Deutschland auf die Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von doppelsitzigen Motorschim-Trikes. Für Schlechtflieger MAGAZIN recherchierte Thomas Keller diese Entwicklung und stellt die gesetzlichen Rahmenbedingungen vor, die bei Passagierflügen mit Trikes zu beachten sind.

AeroMag - Hohe Streckung und Klapper Wie geht man mit einem asymmetrischen Klapper um? Zwei verschiedene Techniken scheinen allgemein akzeptiert zu sein: 1. Gegensteuern, um die Drehbewegung zu stoppen, und dann die eingeklappte Seite wieder „aufpumpen", wie es in den Filmen meiner „Instability"-Serie gezeigt wird. 2. Nichts tun und den Schirm sich von selbst wieder füllen lassen. Ich rate bevorzugt zu der ersten Methode. Die zweite hat jedoch unter bestimmten Umständen ihre Vorteile. Bei sehr trudelfreudigen Schirmen funktioniert das Gegensteuern nicht, hier ist die zweite Methode also besser angebracht. Aber auch bei extrem sicheren Schirmen, die nach einem einseitigen Klapper kaum drehen oder nicken, ist sie nützlich. Und schließlich ist sie immer dann vorzuziehen, wenn man sich nicht auf richtige Pilotenreaktion verlassen kann, beispielsweise in der Anfängerausbildung. In allen diesen Fällen kann also durchaus der Ratschlag gegeben werden, nicht auf einen Klapper zu reagieren. Meiner Ansicht nach handelt es sich dabei aber letztlich um Sonderfälle, die man nicht generalisieren sollte. Deswegen rate ich grundsätzlich weiterhin dazu, gegenzusteuern und auf der eingeklappten Seite zu pumpen. In Wahrheit ist keine der beiden Techniken perfekt.

Der Litespeed RS Es ist nicht ganz einfach, etwas über den Litespeed RS zu erzählen, denn es wäre kaum möglich, einfach nur etwas über diesen Hängegleiter zu berichten, ohne auch auf seine Vorgeschichte einzugehen. Zu komplex ist das Thema, die zentralen Charakteristika des RS lassen sich nur aus seiner Entwicklung her anschaulich darstellen. Denn dem Konzept des Drachens sind im Prinzip recht enge Grenzen gesteckt: wir steuern nicht aerodynamisch über Klappen, wie die Starrflügler, sondern durch Gewichtsverlagerung. Dazu müssen wir vom Boden starten und auf den Füßen landen können. Unser Flügel soll einerseits flexibel sein und andererseits wieder nicht. Ähnlich wie bei den Segelflugzeugen hat sich die technische Entwicklung verlangsamt, die Innovationszyklen sind länger geworden. Nun bleiben im Grunde zwei Arten von Weiterentwicklung: Durch Revolutionen, wie das im Segelflug etwa die Entdeckung der Laminarprofile oder die Erfindung der Kunststoffflieger war. Zu den Revolutionen braucht es entweder eine geniale Idee, oder eine großartige neue Möglichkeit, etwa durch einen neuen Werkstoff oder durch neue technische Verarbeitungsmöglichkeiten. Aber die Revolutionen werden weniger, je länger es ein Grundkonzept gibt. Die andere Möglichkeit der Weiterentwicklung ist die kontinuierliche Innovation. Sie geht eher schleichend voran und ist wenig spektakulär. Und doch kommt eines zum anderen, Entwicklungen in verschiedenen Teilbereichen greifen ineinander und nach einigen Jahren sind die Geräte einen markanten Schritt weiter. Der Litespeed RS ist in meinen Augen ein hervorragendes Beispiel für eine solche schleichende Innovation.

Juetland - Eiszeit, Meer,Wind & Sand Nicht nur die Lebenseinstellung der Daenen überzeugt durch Leichtigkeit und grosse Zufriedenheit. Bei geeignetem Wetter ist auch das Fliegen mit dem Gleit- oder Motorschirm im aeltesten Koenigreich Skandinaviens etwas Wunderbares. Besonders interessant zum Gleitschirmsoaring: ein von Eiszeit, Meer, Wind und Sand gepraegter Kuestenverlauf im Norden Juetlands.

Wolf im Schafspelz Ich habe in diesen Bericht ein Bild eingeschmuggelt, das nicht ganz zu den anderen passt, aber eben doch. Das Bild mit Matthias und seinem gelben Tattoo, mit dem Wolkenfetzen neben Matthias, mit der unendlichen Tiefe und Weite in der Tiefe und in der Weite. Ungefähr das, was dieses Bild zeigt, schwebte mir vor, als ich unseren Bus von der Strasse herunter auf den Landeplatz von Gudo steuerte. Ich liess meine Gruppe aussteigen. Während die Jungs in die Vormittagssonne blinzelten, versuchte ich, ihnen ein paar Merkpunkte klar zu machen. Wir standen in einem der hochpotenten Ost-West-Täler der Alpensüdseite, gerade mal auf 200 Metern über Meereshöhe. Über den staubtrockenen Grasflächen des Talgrundes türmen sich einige der schönsten Flugberge des Schweizer Tessins auf. „Falls ihr auf Strecke geht", schulmeisterte ich, „ist dies der erste Landeplatz zwischen hier und Locarno, der ganze übrige Talboden ist tabu". Vorne am See zeigte ich etwas später im Vorbeifahren auf den Flugplatz Locarno, der uns Tuchfliegern die Grenzen der Freiheit vorschreibt. Doch da war dieses Bild in meinem Kopf – Matthias, die Basis, die Tiefe, die Weite – unsere Freiräume sind immer noch gross.

One Way Ticket Jenes übergroße Packerl für mich an diesem vergangenen Weihnachtstag befindet sich jedoch nicht, wie sonst, unter dem Christbaum im Wohnzimmer, sondern auf exakt 1.200 m Seehöhe über Femes in Form einer der schönsten Wattewolken, die ich als Geschenk je habe annehmen dürfen! Es ist der 24. Dezember 2007 kurz vor 15.00 Uhr und ich stehe startbereit mit meinem Hängegleiter an der auslaufenden Vulkankante eines halben Kraterkegels in El Cuchillo (’Das Messer’). Der Startplatz liegt gerade Mal auf 100 m Seehöhe und der Wind steht mit 20 km/h aus Norden von vorne an. Die schroff zerklüftete Nordküste von La Santa vier Kilometer vor mir trennt mit ihrer Gischtwelle wie ein weißer Streifen das hellsandige Land vom dunkelblauen Meer. So weich wie die Inselfarben wirken nun die Elemente auf mich und mein Flügelprofil. Ich fühle das Meer, den Drachen und die Windströmung am Hang. Ich starte und drehe sofort nach rechts ab. Nach 300 m ist das laminare Aufwindband des kleinen Kraterhanges erreicht und mit knappen 80 m über schattigem Grund kann ich nun mit dem Drachen an der Vulkankante soaren. Ein Falke begleitet mich direkt unter mir, bald aber trennen sich unsere Wege wieder. Jedoch haben beide von uns das gleiche Ziel - Beutejagd. Nach fünf Minuten habe ich bereits eine optimale Startüberhöhung erreicht und halte gegen den Wind vor auf der Suche nach meiner Beute, Thermik. Schöne Cumuluswolken ziehen hoch über mir hinweg. Über dem hellbraunen Land der Sandebene von ‚El Jable‘ beginnen sie sich hinter- und nebeneinander zu entwickeln. Die Sicht ist glasklar bis weit hinaus zu den vorgelagerten Inseln des Chinijo Archipels und weiter zum Meereshorizont. Plötzlich ein kurze Turbulenz und im selben Moment fliege ich in eine starke Thermikablöse hinein. Eng ist das Zentrum des besten Steigens mit 3 bis 4 m/s und dementsprechend steil kreise ich ein. Es entwickelt sich ein konstant aufsteigender Bart und mit einer beständigen Abdrift von 25 km/h lasse ich mich stetig kreisend windabwärts in das Landesinnere versetzen. Ich blicke in Windrichtung gegen Süden und erspähe direkt über mir das Anfangsstadium einer hohen Wolkenstraße, die sich quer über Timanfaya bis zum Südkap der Insel nach Playa Blanca bahnt. Und genau jetzt überkommt mich seit langem wieder jenes Glücksgefühl aus vergangenen Weihnachtstagen meiner Kindheit! Die Geschenke stehen nun in Reih‘ und Glied direkt vor meinen Augen. Kleine, große und alle weiß – thermische Cumuluswolken. Jedoch noch schöner ist es zu wissen, daß dieses große Geschenk eingehüllt in weißem Wasserkondensat am Ende der Wolkenstraße über Femes bald mir gehören wird!

Mein neuer Traumflügel In den zurückliegenden Jahren habe ich viel von neuen Flügeln und innovativen Konstruktionsdetails gehört, die zumeist von den Marketingabteilungen mit drei Buchstaben angepriesen werden. Drei Buchstaben, die für irgendetwas ganz, ganz Neues und Phantastisches stehen. Etwas, das sich wegen der weltweiten Bedeutung am besten auf Englisch ausdrücken lässt. Kennt Ihr zum Beispiel das brandneue TDS? Mit dem TDS, Thermal Detection System, findet garantiert jeder Schlechtflieger – und damit sogar ich - die Thermik. Der Flügel bohrt sich anschließend quasi vollautomatisch in den Thermikschlauch und geht erst wieder raus, wenn man entschieden auf die Außenbremse geht. Bestimmt kennt Ihr aber APP, den Autopilot for Passive People zur Unterstützung des vom DHV stets geforderten sicheren Flugstils? Bei solchen phantastischen Neuerungen verliert mein gegenwärtiger Flügel ganz allmählich an Glanz. Rückblickend konnte ich mich im vergangenen Jahr bei schwach thermischen Bedingungen manchmal nicht mehr oben halten, obwohl andere noch munter weiterflogen. Das Gegenteil ist zwar auch einmal passiert, dennoch komme ich zu dem wohl einzig zulässigen Schluss, ich brauche mehr Leistung. Ein neuer Flügel muss her! Grob geschätzt habe ich nun die Qual der Wahl unter aktuell einigen hundert bunten Modellen. Eine reine Auswahl nach Farbe und Design verschmähe ich selbstverständlich. Ich schaue also, was fliegen denn so die Kollegen und spreche mit ihnen über ihre Erfahrungen. Schnell stelle ich fest, offenbar fliegt jeder mit dem besten Flügel der Welt. So gelange ich umgehend zu einer fundamentalen Erkenntnis der modernen Verhaltensbiologie, die auf Menschen und nachweislich auch auf die anderen Primaten zutrifft. Hat sich jemand aus einer großen Auswahl ähnlicher Dinge einmal für ein bestimmtes entscheiden müssen und war die Entscheidung auch noch so knapp, dann bleibt diese Entscheidung, die mit klarem Abstand einzig wahre und unwiderruflich richtige für eine sehr lange Zeit – und das hat dann nachweisbar rein gar nichts mehr mit Vernunft zu tun. Nicht zuletzt aus diesem Grund setzen sich wohl, wie es Max Planck treffend formulierte, neue wissenschaftliche Wahrheiten nicht dadurch durch, dass ihre Gegner überzeugt werden, sondern dass sie allmählich aussterben. Fazit, ich kann also dem bereits genetisch eingeschränkten Urteilsvermögen meiner ansonsten hoch geschätzten Mitpiloten nicht vertrauen – sorry, bitte nehmt es nicht persönlich, ihr könnt wirklich nichts dafür.

Burgfrieden Die Kassiererin der Bergbahn grüßt lächelnd: „Aha, die Flieger sind heut wieder früh unterwegs. Grüßt mir die Sonne!" Mit der günstigen Tageskarte (21,50 Euro inkl. Start/Landegebühr) in der Hand wird die Großraum-Gondel bestiegen und es geht im 30 Minuten-Takt vom Tal auf 770 Metern rauf bis zur Gipfelstation „Krahberg" auf 2.200 Metern. Der Gondoliere wird mit Handschlag begrüßt und schaut etwas stinkig aus der Wäsche. Seine Jacke mit dem Logo der „Venetflieger" outet ihn als Kollegen. „Heut schaut`s gut aus. Blöd nur, dass ich den ganzen Tag in der Gondel hin und her schippern muß." Auf dem Dach der Kabine, die 45 Personen mit extremen Steigwerten Richtung Gipfel transportiert, finden auch Drachenflieger ein schickes Plätzchen für ihr Gerät. Der eigens für sie konstruierte Kran hebt sowohl langgepackte Drachen auf‘s Dach und ist auch für den Transport von Starrflüglern geeignet. Beim Ausstieg am Panoramarestaurant und der markanten Senderantenne läuft uns Verena über den Weg. Die Physiotherapeutin kümmert sich gerade um den Oberarm von Walter, nachdem ihm ein Sehnenriß eigentlich eine Zwangs-Flugpause verordnet hat. Da aber acht von 12 verschriebenen Wochen bereits verstrichen sind, ist er der Meinung, der allgemeine medizinische Fortschritt mache die ersten Flüge längst überfällig. Verena wollte schon immer mal einen Gleitschirmflug ausprobieren und ist ganz überrascht von dem Gewicht des (abgespeckten) Equipments. „Den Rucksack krieg` ich ja locker getragen..." Wir freuen uns mit ihr und noch mehr über das nette Foto-Motiv, das sie uns vor dem Panoramablick über Zams liefert. Kaum ist die Kamera eingepackt, wird‘s seriös und politisch. Der Bürgermeister höchstpersönlich kommt auf Skiern angerauscht. Mit einem sportlichen Hüftschwung stoppt er seine Bretter und begrüßt uns im „Freizeitparadies Tirolwest". Irgendwann möchte auch er mal mit einem Tandem abheben, aber das Amtsgeschäft lässt ihm momentan wenig Freizeit... Ja, ja, Herr Bürgermeister, das kennen wir. Jetzt fehlt nur noch der Pfarrer und vielleicht die Schnapskönigin von Stans und wir hätten den Großteil der Einheimischen per Handschlag begrüßt.

Leserstory-Wettbewerb Arrête!" Mich sehen zwei durchdringende, wildentschlossene Augen an. Vor mir fünf gespreizte Finger und eine Handfläche. Ich drehe mich um, in der Hoffnung hinter mir jemanden zu finden, der sich unmittelbar angesprochen fühlt. Fehlanzeige. Also bin doch ganz offensichtlich ich gemeint. Der aufmerksame Leser wird anhand des einleitenden Wortes darauf schließen, dass wir uns in Frankreich befinden. Das ist natürlich richtig. Arrête = Halt/Stop. Ganz klar französisch, also Frankreich. Um das zu präzisieren, ich befinde mich in Südfrankreich, genauer in den Pyrenäen. Der Ort heißt Saint Larry, und liegt grob gesehen in der Mitte von Mittelmeer und Atlantik. Ein netter kleiner Ort, in einem schönen Tal und ein Paradies, was das Gleitschirmfliegen betrifft. Aber zurück zu der gebieterischen Handfläche und den wildentschlossenen Augen. Nach dem einleitenden Wort „Arrête!", welches ich schon von Stopschildern aus dem Straßenverkehr kenne, folgt ein weiterer Wortschwall Französisch. Da ich dieser facettenreiche Sprache nicht bis in’s kleinste Detail mächtig bin, eigentlich kann ich überhaupt kein Französisch, verstehe ich folglich zunächst einmal gar nichts. Zumal die Geschwindigkeit des vorgebrachten Begehrens klang wie eine LP auf 45 gespielt. Also wirklich zu schnell für mich. Selbst wenn ich ein wenig Französisch könnte. Den Gedanken, ein Wörterbuch zu konsultieren, verwerfe ich schon im Ansatz. Das würde voraussetzen, daß man zumindest ein, zwei Wörter verstanden hätte. Also erst mal die erstaunt ahnungslose Mine aufgesetzt und die Unschuld vom Lande markiert. Scheint zu wirken. Die wildentschlossenen Augen verlieren an Glanz, und Resignation macht sich breit. Gepresstes Gemurmel und ein paar offensichtlich nicht ganz so freundliche Worte finden ihren Weg über zwei verkniffene Lippen. Und dann zumSchluss ein Wort, das ich auch auf Französisch kenne: Merde.
Wir hoffen der kleine Abriss konnte euch überzeugen. Das Heft bekommt Ihr ab sofort am Kiosk, bei unseren Flugschul-Partnern, als Einzelheft oder am bequemsten im Abo zum Vorzugspreis von 43,20 Euro jährlich (anstatt 48 Euro im Handel) portofrei direkt nach Hause. Einfach bestellen unter shop.schlechtfliegerMAG.com, eine Fan Cap gibt es kostenlos oben drauf.
|