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Ausgabe 25

Ja, wow, Ausgabe 25 – was will man da sagen? Besser nichts, besser einfach nur lesen.

Los geht’s mit traumhaften Bildern und einer spannenden Story aus Tansania. Danach springt Mike Küng aus einem Zeppelin, Profisnowboarder toben sich am Drachen aus, in Brasilien wird ein Rekord gebrochen, Thomas Keller stellt den Rammelsberg vor, Matt Gerdes schreibt einen Brief und Matthew Whittal übt sich als Agent . Das war natürlich nur ein kleiner Ausschnitt, den Rest gibt es dann im Heft. Viel Spaß mit Ausgabe 25!








Abenteuer in Tansania  
Wir verlassen Sansibar. Unser Flugzeug nimmt seinen Weg über riesige Lagunen, ehe es mit dem Sinkflug in den Busch beginnt, in Richtung Arusha, Tansania. Hier oben, von der Basis aus, sehen wir die Kreise, die die Masai-Dörfer in die trockene Savanne reißen; ihre Hütten sind zum Schutz vor wilden Tieren umringt von einem Wall aus Dornensträuchern. Weiter im Westen liegen die Usambaraberge aufgereiht wie zu einer Parade zu unseren Füßen, der Berg Meru versteckt sich unter Cumuli, er ist heute nur zu erahnen. Wir sind nah dran!
Arusha ist der Standardausgangspunkt für Touristen, die auf Safari gehen oder den Kilimanjaro besteigen wollen. Sofort werden wir von Verkäufern mannigfaltigster Couleur umworben, Souvenirs, Touren und „Special Deals“ werden uns angeboten.
Nach einem kurzen aber glückverheißenden Treffen mit Damien Bell, ehemaliger Gleitschirmpilot und Direktor eines Safariunternehmens, sind wir auf dem Weg in den Busch, ausgestattet mit einigen Geheimtipps zu Orten, an denen wir unsere Zeit verbringen sollten, wenn wir fliegen wollen…einige Tage, einige Jahre - als wir die Stadt in unserem Landrover verlassen, liegt es an uns. Weil wir nicht auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen können, bleibt uns nur die Wahl, einen SUV mitsamt Fahrer zu mieten. Schnell bekommen wir die ortsüblichen Namen für Weiße von unserem Fahrer beigebracht: wir heißen Boana und auch Mizungu.
Am Manyarasee finden wir einen Startplatz, der an der Grenze zum Nationalpark liegt, in dem zu landen strikt verboten ist. Hunderte Gelbschnabelstörche fliegen draußen über der Savanne in der Thermik, es sieht gut aus.
Wir verbringen einen Tag im berühmten Ngorongoro-Nationalpark, durch den gerade zehntausende Gnus ziehen. Löwenherden folgen dem Zug der Gnus, genauso wie die Touristen in ihren Allradfahrzeugen. Während wir die anderen glotzenden Touristen in ihren Safarijacken beobachten, unter Expeditionshüten und einer dicken Schicht Sonnencreme, fällt uns auf, wie seltsam und lächerlich wir uns in unseren Fahrzeugen ausnehmen, geparkt neben faulenzenden Löwen, im Verhältnis von fünf Fahrzeugen zu einer Raubkatze - es wird Zeit, dem eingeschlagenen Pfad zu entfliegen!




Im Bauch des Zeppelins
Das Schwierigste liegt hinter uns. Alex und ich liegen nebeneinander auf dem Boden, unsere Köpfe ragen durch die Tür, unsere Objektive sind senkrecht nach unten gerichtet. Jetzt haben wir Zeit, ein paar Bilder zu machen, jetzt gibt es nicht mehr viel falsch zu machen. Ich sehe mir an, was ich fotografiere. Mike turnt die Höhe runter wie immer, die Zuschauer jubeln. Unseren exklusiven Blick haben wir ganz für uns. Selbst voll herangezoomt ist der Schirm jetzt klein, er wird zur Orientierungshilfe vor seinem abstrakten Hintergrund. Schier endlos ist dessen Grünlichblau. Keine großen Wellen heute, dafür ist die Oberfläche von kleinen Riffeln zerschnitten, die von den Schiffen her kommen. Ganz gleichmäßig sind ihre Interferenzmuster. Kein Meter Tiefe ließe sich von hier erahnen, undurchdringlich wirkt die Wasseroberfläche. Und dennoch kann ich die Tiefe spüren, der Anblick ist gewichtig. Wir fliegen ungefähr so hoch wie der Bodensee tief ist, vielleicht nicht gerade an dieser Stelle. Wie es sich wohl ganz unten anfühlt? Wie mag die Wasseroberfläche von unten aussehen? So ein See ist eine eigene Welt, und obgleich so nah bin ich ihr doch sehr fern. Ich richte meine Gedanken wieder auf den Schirm. Nur aus unserer Perspektive war der Schatten zu beobachten, der ihm die ganze Zeit gefolgt ist. Jetzt holt er ihn immer mehr ein. Wird Mike das Floß treffen? Blöde Frage, denke ich mir. Mike trifft immer. Auf den letzten Metern seines Anflugs ist unser Gefährt recht unruhig und es wird schwierig, scharfe Bilder zu bekommen. Als Mike im Cockpit der Nobelkarosse steht, jubeln die Zuschauer. Alex und ich atmen durch.

Meldung in eigener Sache
In dieser Ausgabe ist unserer Druckerei leider ein technischer Fehler unterlaufen, der bei der Druckfreigabe nicht absehbar war.
In dem Artikel Im Bauch des Zeppelin auf den Seiten 16-21 wird die Überschrift nicht korrekt dargestellt und Zwischenüberschriften fehlen im Text komplett.
Für dieses Ärgernis möchten wir uns bei Euch entschuldigen. Damit Ihr dennoch in den Geschmack des vollständigen Artikels kommt, haben wir ihn als PDF auf unseren Server gestellt.
Hier der Link.




Flugfieber - Die BaWü Airgames 2008
"Ich habe die Arme ausgebreitet und bin einfach gerannt. Es war, als ob ich fliege. So habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.“ Mit diesen Worten beschreibt Eugenie Braun-Ohlmann aus Oppenau ihren ersten Besuch am neuen Startplatz.
Dieser neue Startplatz ist eine gewaltige Schneise. Es ist leicht nachvollziehbar, dass manche ihn als Narbe in der Landschaft empfinden mögen, zumal er am Pfingstwochenende, kurz nach seiner Fertigstellung noch in einem recht provisorischen Zustand war. Von der Kirche in Oppenau aus gesehen, ist er ein großer brauner Fleck in einem breiten, bewaldeten Hang. Nichtsdestotrotz dürfte der „Ibacher Holzplatz“ genannte Startplatz bald zu einem der beliebtesten Ausflugsziele der Schwarzwaldstadt werden. Denn die Aussicht ist grandios, von hier oben lässt sich die ganze Stadt überblicken, mit all ihren Windungen, durch die sie in die engen Täler mäandert. Zudem ist es am Startplatz ruhig, denn die Zufahrt mit dem Auto ist nicht gestattet. Auch die Piloten haben einige Meter zu Fuß zurückzulegen. Dafür erwartet sie dann künftig eine hundertdreißig Meter breite Schneise in Startrichtung Nordost, im Talwind gelegen, ideal zum Soaren und geräumig genug zum Toplanden. Und, das zeigten die Airgames, groß genug für einen Wettkampf mit 120 Piloten. Man kann von Glück sprechen, dass die Fertigstellung des Startplatzes mit solcher Energie vorangetrieben wurde. Denn ohne ihn hätten die Airgames in diesem Jahr blöd dagestanden – der Wind kam stets aus Nordost. Endlich einmal war das Wetter also gnädig, denn anstatt dem Regenwetter der letzten Jahre waren die Pfingsttage reich an Sonnenschein. Zumindest der Veranstaltung tat dies gut.
Für die Piloten war es dennoch ein wenig durchwachsen, denn der Wind war kräftig – am Samstag zu kräftig – und in der Luft ging es bisweilen sportlich zu. Dennoch kamen die Piloten zu einer Menge Airtime, einem der großen Unterschiede zu den vergangenen Jahren.




Aesthetiker am Drachen
Bernhard Dengg, genannt Bani, ist vernarrt ins Drachenfliegen. Dafür wohnt er ideal, nämlich im fliegerisch ergiebigen und landschaftlich opulenten Zillertal. Und er hat den idealen Job, denn er ist Testpilot beim ortsansässigen Drachenhersteller Seedwings. Bani ist 34 Jahre, gekleidet wie ein 34jähriger (die kleiden sich heute so, wie früher 24jährige) und enorm gelassen, sprich: cool. Er fliegt Akro, redet am Start aber darüber, dass das leise Unwohlsein im Magen vor dem Start dazugehöre, man sich sorgen solle, wenn es plötzlich fehlte. Am besten lässt er sich so beschreiben, wie Matt Gerdes die Gleitschirm-Akropiloten in dieser Ausgabe beschreibt, in seinem Brief „Infinitely Yours“: Sie sind so nette, sympathische Typen… Vergiss es! Irgendwie wirst Du den Verdacht nicht los, dass sich bei diesen Jungs Genie und Wahnsinn die Hand reichen, dass ihre enorme Ruhe fließend in Skrupellosigkeit übergehen kann und dass ihre Gemächlichkeit sich auf dem Fuße in eine Serie blitzschneller Entscheidungen verkehren kann. Diesen Eindruck habe ich auch bei Bani, heute ist er mit seinen Freunden unterwegs und die ließen sich wohl ganz ähnlich beschreiben. Nur haben sie keine Ahnung vom Fliegen. Bis jetzt. Sie sind Snowboarder, aber nicht irgendwelche. Banis Kumpels sind Topsnowboarder, Profis, echte Freaks.




Weltrekord zu dritt - 461,8 km³
Es ist Tag 31 unseres Aufenthalts in Sertão und mit jedem Tag sieht es so aus, als rücke der Weltrekord etwas mehr in die Ferne. Unsere Motivation ist nicht mehr ganz frisch. Viel Zeit haben wir darauf verwendet, unserem Ziel näher zu kommen. Der Druck lastet schwer auf unseren Schultern und es bleiben nur noch wenige Tage. Unsere jetzige Situation ist auch nicht besonders angenehm. Während der XCeará haben viele Piloten begonnen, unsere Strategie zu kopieren: Auch sie starten früh und versuchen, während des Vormittags oben zu bleiben. Das hat uns psychologisch noch mehr
belastet, schließlich wäre es doch ziemlich ungerecht, wenn nach so vielen Versuchen und Ortserkundungen ein Fremder käme, um die 423-km-Marke zu knacken. Wir versuchen, uns diese Tragödie nicht vorzustellen, uns von allem Druck zu befreien und auf unsere eigenen Fähigkeiten zu vertrauen.
Meine Routine, jeden Morgen erst einmal die Gardine zurückzuziehen, um die Wetterbedingungen zu checken, habe ich längst aufgegeben. Stattdessen ziehe ich es inzwischen vor, bezüglich der Tagesbedingungen keine Meinung mehr zu haben, ehe ich nicht fliegend am Monsenhor Tabosa ankomme.



Die Jagd nach dem Faktor 1.4 
Die Gummenalp ist ein unscheinbarer Hügel, gemessen an den Kalkriesen keine zwanzig Kilometer talaufwärts. Der Vierwaldstättersee im Norden des Hügelzugs markiert den Aufstieg der Alpen im Zentrum der Schweiz. Hier geht es los, im doppelten Sinne. Nach Süden hin türmen sich hier die Gipfel bald über 3.000 Meter hoch, ohne dass das etwas spezielles wäre. Die Gummenalp ist der erste einen langen Reihe von Startplätzen im Engelbergertal, dessen Anziehungskraft auf Flieger genau so gross ist, wie auf normale Touristen. Die klappern die Talgründe und die Schneegipfel jährlich zu Hunderttausenden ab, freilich im Reisecar auf der blitzsauberen Talstrasse und in der Drehgondel der Bergbahn. Streckenmässig lief bisher nicht allzu viel im Tal. Einst gab es eine Menge Kohle zu gewinnen für den ersten 200er. Die 5.000 Franken garnierte sich Alex Hofer mit einem Bisenflug bis an den Lac d’Annecy in Hochsavoyen. Seither sind die 200 auch nicht punktemässig aufgegriffen worden. Und genau das hatte ich in diesem Mai vor.
Die Gummenalp ist ein verrückter Startplatz. Er ist schön ausgerichtet nach Südosten, jedoch so steil und so ungünstig geformt, dass die zum Starten geeignete Fläche dauernd von irrwitzigen Ablösungen geplagt ist, meist mit der bedenklichen Tendenz, dich hinaus in die Tiefe zu reissen.




Der Rammelsberg, das Eldorado in Norddeutschland
Trotz meiner ausgeprägten Motorschirmaffinität zieht es mich immer wieder an den Berg zurück, an dem ich das Gleitschirmfliegen vor 18 Jahren mehr oder weniger erlernte. Ein Berg, der zu Ehren des Ritters Ramm bereits im 16. Jahrhundert seinen Namen Rammelsberg erhielt. Die Stadt zu Füßen des Bergs bekam den Namen „Goslar“, in Anlehnung an des Ritters Gemahlin „Gosa“. Mit dem Reichtum von fast 28 Millionen Tonnen Erz hat der Rammelsberg die Geschichte und die Entwicklung der Stadt Goslar über Jahrhunderte geprägt. Denn bereits vor 3000 Jahren wurde am Rammelsberg nachweislich Erz abgebaut. Im Jahr 968 begann erstmals die systematische und industrielle Erzförderung. Der Silberreichtum war Anfang des 11. Jahrhunderts Ursache für die Gründung der Pfalz durch Kaiser Heinrich II. Im Jahre 1988 wurde aber der Bergwerksbetrieb eingestellt, nachdem das Erzvorkommen weitestgehend erschöpft war. In den Betriebsanlagen befindet sich heute ein Besucher- und Bergwerksmuseum, das mit einigen Superlativen aufwarten kann. Seit 1992 steht der Rammelsberg mit seinem ehemaligen Erzbergwerk sowie die mittelalterliche Altstadt von Goslar und deren Kaiserpfalz, auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Sie fanden damit Aufnahme in den Kreis der bedeutendsten Kulturgüter der Menschheit, zu denen auch Venedig, die Pyramiden von Gizeh und die Chinesische Mauer gehören.




AeroMag - How to speed
Die meisten Wettbewerbsaufgaben sind Races und viele unerfahrene Piloten denken, man gewinne Rennen, indem man beim Gleiten Gas gäbe. So gewinnt man Gleitschirmraces üblicherweise nicht. Wenn du mehr Gas gibst als der Pilot neben dir, wirst du ziemlich schnell vor dem Pulk sein und außerdem tiefer. Das bedeutet, dass du dir schwerer tust, den nächsten Bart zu finden, weil du allein bist, und du wirst mehr Höhe machen müssen, und beides raubt dir Wertungszeit. Indem du schneller fliegst, verschaffst du dir einen Nachteil, während die Piloten hinter dir einen praktischen Anzeiger für Steigen und Sinken haben. Selbst wenn du dich also im ersten Moment freust, die anderen bis zum nächsten Berg hinter dir gelassen zu haben, wird Deine Führung nicht von langer Dauer sein und bald werden die Piloten hinter und über dir an dir vorbeiziehen. Es gibt eine wichtige Ausnahme dieser Regel. Und zwar dann, wenn du genau weißt, wo der nächste Bart stehen wird und dass er stark sein wird. Dann lohnt es sich, direkt und schnell zu diesem Bart zu fliegen.
Generell ist es besser, du lernst schnell zu steigen, anstatt schnell zu gleiten, zumindest wenn du Wettkämpfe gewinnen willst. Denn die Unterschiede in den Steigraten sind viel größer als die Geschwindigkeitsunterschiede. Versuchst du, schneller vorzufliegen als jemand anders, dann schaffst du vielleicht 2 km/h mehr, oder vielleicht 5 km/h, wenn du richtig Gas gibst. Das bedeutet, dass du 10 % Geschwindigkeitsvorteil gegenüber einem anderen Piloten rausholen kannst, aber denke daran, dass du mehr Höhe verlierst und das Steigen schnell finden musst.




Mosel Open 2008
Die optimistische Voraussage von Oliver Blonske, dem Veranstalter der diesjährigen, 2. Mosel Open sollte sich bewahrheiten. Noch in der Nacht vor dem Wettbewerb hatte es zwar geregnet, aber alle Zeichen standen auf Sonnenschein und Aprilthermik. Dementsprechend groß war auch das Interesse und es zog 93 Teilnehmer, über 25 fleißige Helfer der Moselfalken und viele Zuschauer in die deutsche Weinmetropole.
Die Wettkampf-Karawane setzte sich am Freitagmorgen vom Headquarter im Kloster Machern bei Zeltingen-Rachtig aus in Richtung Startplatz Klüsterrath in Bewegung. Der erste Task führte bei optimalen Windverhältnissen über sechs Wendepunkte bis zum nordöstlich gelegenen Segelfugplatz bei Traben-Trabach.  




Szenejobs - Der Händler
Um einen Schirm kaufen zu können, muss er erhältlich sein. Jemand muss ihn anbieten und vertreiben. Nur wer? Der Hersteller? Der Hersteller, dessen Sitz in Amerika liegt? Der Hersteller, der den örtlichen Markt und die lokale Kultur nicht kennt und womöglich auch die entsprechende Sprache nicht spricht? Ein Verbindungsmann muss her, jemand der die Gepflogenheiten vor Ort kennt und gezielt auf die Wünsche der Kunden eingehen kann. Ein Händler, noch besser ein Importeur.
Das Produkt auf dem Markt platzieren und das Produkt verkaufen, das ist, knapp formuliert, die Hauptaufgabe. Verkaufen. Das funktioniert sehr gut über die Flugschulen und die Flugläden, den indirekten Vertrieb.
Bekanntheit ist das A und O einer jeden Marke, egal ob Drachen oder Gleitschirm. Was nützt mir schon ein genialer Schirm, wenn niemand weiß, dass es ihn überhaupt gibt? Der Importeur muss Maßnahmen ergreifen um die Bekanntheit zu steigern. Das geht über Marketing (Anzeigenschaltung, Sonderaktionen, Festivals), über sportliche Erfolge („Alle mal herhören, der Gesamtsieger des XC Flying Contest fliegt mit meinem Schirm“) oder auch über Dienstleistungen (guter Service, qualitativ hochwertige Checks). Ist eine Marke erstmal bekannt, lässt sie sich auch viel leichter an den Mann bringen; besonders an Flugschulen.
Der klassische Vertriebsweg führt über die Schulen. Sie sind Anlaufstelle für eine Großzahl der Flieger. Hier machen sie ihre Ausbildung, informieren sich, werden beraten und sammeln erste Erfahrungen. Hier entsteht meist der erste Kontakt zu Marken und Schirmen. Und wie ein Sprichwort schon sagt: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“ Bei Flugschulen breit vertreten zu sein, bedeutet, die halbe Miete im Sack zu haben.




Making Of: The Journey
Ich hegte lange schon den Traum, einen Film über das Gleitschirmfliegen zu drehen, einen Film, der die Essenz dessen zeigt, was wir tun, der zeigt, warum wir all die Mühe auf uns nehmen und die Risiken eingehen, einen Film, der zeigt, warum wir fliegen. Ich habe in meinem Roman versucht, dieselbe Frage zu beantworten, aber nun wollte ich die visuelle Seite des Sportes einfangen. Ich hatte vorher an einigen Dokumentarfilmen über das Gleitschirmfliegen mitgearbeitet, also wußte ich, was auf mich zukam, zumindest glaubte ich das.
Einen Film zu drehen verlangt wie das Fliegen selbst ein hohes Maß an Engagement. Ein Film läßt sich nicht über Nacht fertigstellen, und viel Zeit und Geld ist nötig, um ein wirklich gutes Ergebnis zu erzielen. Allein konnte ich die Produktionskosten nicht aufbringen. Also sprach ich diverse mögliche Sponsoren an und war überglücklich, als der Gleitschirmhersteller Gradient und die Bekleidungsmarke Capestorm schließlich grünes Licht für mein Konzept gaben. Der von den Sponsoren nicht gedeckte Teil der Kosten wird durch den Verkauf der DVD hoffentlich erwirtschaftet werden.
Jeder, der schon einmal eine Digitalkamera an eine Stange getaped hat und damit fliegen war, weiß: um einen Film zu drehen, braucht man zuerst einmal eine Geschichte, die man erzählen kann. Spätestens in der Luft, wenn man die Kamera ziellos von links nach rechts schweifen läßt, wird einem klar, wie nutzlos bloßes Filmmaterial ist.




Infinitely Yours
Hi, ich heiße Matt Gerdes und ich habe vergangenes Wochenende mit dem Akrofliegen aufgehört. Nicht, weil ich Angst hätte oder es mich langweilte. Ich habe aufgehört, weil Akro nicht mehr ist, was es war, als ich noch Akro flog, vergangene Woche. Ok, ich lege bei Gelegenheit immer noch gerne einen Loop ein, fliege einen Sat oder einen Wobblecopter. Aber das zählt nicht mehr als Akro, Jungs, sorry. Die Latte liegt zu hoch.
Dieses Wochenende sah ich Felix Rodriguez 149 Infinity Tumbles am Stück fliegen. Das sah verdammt gut aus. Erst sprang er aus einem Helicopter, eine Menschenmasse unter sich beim großartigsten Gleitschirmevent der Welt, den BaWü Airgames. Dann ging er in eine heftige Steilspirale, nahm sogleich sein Gewicht wieder zurück, etwas Bremse rechts dazu und wartete. Als nächstes geschah das: mit der Erfahrung seines ganzen Fliegerlebens verlagerte er sein Gewicht mit solcher Feinheit, gab den Bremsimpuls so präzise, dass er über die Mitte seines Flügels tumbelte, 149 mal. Und er hätte damit noch weiter machen können. Du kannst noch nicht einmal im Ansatz verstehen, wie hart das ist, selbst wenn du glaubst, du könntest das.
Inzwischen gibt es fast zwanzig Piloten weltweit, die wenigstens zehn Überschläge des Infinitys fliegen können. Diese Jungs kommen aus Ländern wie Ungarn, Frankreich und Spanien. Sie haben Namen wie Pal, Antoine, und natürlich Raul und Felix. Sie rauchen Zigaretten, sie schlafen in ihrem Bus, sie können Dich unter den Tisch trinken, wenn sie wollen und sie können auf’s Bier verzichten, wenn sie müssen. So diszipliniert sind sie.
In dem was sie machen, sind sie die besten und sie lieben das, was sie machen.
Sie trainieren vollzeit. Sie haben keinen Job außer Paragliding. Ihren Rettungsschirm werfen sie mehrmals im Jahr.
Wie oft hast Du Deinen Retter dieses Jahr geworfen? Dreimal, viermal? Nein? Dann bist du alles andere als nah dran. Die Piloten, die diese Figur perfektioniert haben, noch ehe du überhaupt davon gehört hattest, haben ihren Retter im vergangenen Jahr öfter geworfen als Du in Deinem ganzen Leben. Das ist ein Maßstab dafür, wie gut sie sind, und dafür, wie hart diese Figur ist.




Der Wochenendheld - 00 Whittal
Mein erster Gleitschirmflug liegt achtzehn Jahre zurück. Ich war vom ersten Moment an begeistert, gefesselt, ja süchtig nach diesem verrückten neuen Sport. Unvorstellbar, eine echte Flugmaschine einfach in einen kleinen Rucksack packen zu können! Bei jedem Flug fühlte ich mich aufs Neue wie James Bond mit Q‘s neuester Geheimwaffe. Nachts lag ich wach und fragte mich, warum diese simple Erfindung nicht die Welt erschütterte. In meiner Wohnung unter der Treppe wartete ein Fluggerät auf seinen nächsten Einsatz, mit dem ich von den Bergen springen und tatsächlich minutenlang durch die Lüfte segeln konnte! Wieso begeisterte sich die übrige Menschheit nicht genauso sehr dafür? Immerhin hatte ich nun mein eigenes, tragbares Spionageflugzeug, einen richtigen Stealth-Bomber, der hinter den feindlichen Linien so geschickt hätte versteckt werden können, dass man mich für einen harmlosen Wanderer gehalten hätte - der Stoff der Kinderträume. Ich verfiel dem Gleitschirmfliegen wie eine Motte dem Licht, verliebte mich regelrecht in den Sport und stürzte mich mit aller Leidenschaft hinein. Das brachte jenen typischen Drang mit sich, dem kein junger Mann widerstehen kann: nämlich jedes denkbare technische Gimmick haben und zu seinem Vorteil einsetzen zu wollen. So geriet ich über die Jahre mehr und mehr in ein technisches Wettrüsten. Die Tücher wurden weiterentwickelt, das Design auch, und die Schirme insgesamt wurden besser und besser. Gurtzeuge entwickelten sich aus schmerzhaften, mittelalterlich anmutenden Folterinstrumenten, die wenig zum Komfort, nicht viel zur Sicherheit und am wenigsten zur Familienplanung beitrugen, hin zu sofaartigen Sesseln mit vom DHV abgesegnetem Rundum-Schutz. Die Instrumentierung, ursprünglich lediglich aus einem Piepsvario bestehend, umfasste bald integrierte Vario-Rechner-GPS-Systeme, die nicht nur wissen, wo die Luft aufsteigt und Windgeschwindigkeit und -richtung kennen, sondern ihren Piloten nach dem Versenker auch noch zur nächsten Kneipe lotsen können. Schlimmer noch: als ob wir nicht schon genug der Ausrüstung zu schleppen gehabt hätten, fanden wir bald heraus, dass große Schirme besser gleiten als kleine. Also fingen die meisten von uns an, zehn Liter Wasser und bleibeschwerte Gurtzeuge umherzuwuchten, um das Mindestgewicht für den größtmöglichen Flügel zusammenzubekommen. Einmal in der Luft, war die Leistungsfähigkeit einer solchen Ausrüstung spitze und das Fluggefühl berauschend, aber mit knapp 25 kg Ausrüstung - und das noch ohne Ballast - mühte ich mich mehr und mehr, überhaupt in die Luft zu kommen.



Wir hoffen der kleine Abriss konnte euch überzeugen. Das Heft bekommt Ihr ab sofort am Kiosk, bei unseren Flugschul-Partnern, als Einzelheft oder am bequemsten im Abo zum Vorzugspreis von 43,20 Euro jährlich (anstatt 48 Euro im Handel) portofrei direkt nach Hause. 
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