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Ausgabe 26
Et voila, Ausgabe 26 steht druckfrisch im Regal. Ein "kleines" Fotoalbum macht den Anfang, wir haben Flieger aus allen Ecken und Enden nach dem Bild gefragt, dass für sie das "Fliegen" am besten zusammenfasst - herausgekommen sind Motive die unterschiedlicher kaum sein könnten. Rüdiger Walter gibt uns im Anschluss einen Überblick über die monatelange Diskussion über Protektortests, Klaus Killberth stellt in einem Gedankenspiel Drachen und Gleitschirme gegenüber, Simon Sanderson erzählt von da Vincis Drachen, Fredegar Tommek schwebt in der Mosel über Reben, im Disentis wird Robert Jakob himmlischer Beistand gewährt... Aber seht am besten selbst:


Das Schlechtflieger Fotoalbum Fotoalben kommen aus der Mode, sie werden von externen Festplatten und Onlinealben verdrängt. Ob diese neuen „Alben“ je solche Schatzkistchen sein können, wie die schmierigen, altmodischen Bücher in braun oder grün, sei dahingestellt. Vielleicht steht dem guten Album ja auch eine Renaissance bevor. Wir haben Piloten und Freunde gebeten, uns Bilder für ein Schlechtflieger-Fotoalbum zu schicken. Dabei ging es uns nicht um fotografische Highlights, die Bilder sollten sich nicht in Schärfe, Kontrast und Farben übertreffen. Wir wollten etwas anderes, wir wollten Bilder, die „Fliegen“ ganz besonders zusammenfassen, aus einer individuellen Perspektive. Schicke uns das Bild, dass „Fliegen“ für Dich auf den Punkt bringt, lautete die Aufgabe. Hier ist das Ergebnis.

Schutzprogramm - Ein Überblick über die monatelange Diskussion um Protektortests. Von Rüdiger Walter. Worum geht es? Um Protektorentechnik, um Politik, um die innere Struktur des DHVs? Oder gar um jene Teilmenge der Gleitschirmwelt, die sich in Internetforen tummelt? Im Moment lässt sich das schwer trennen. Neu ist, dass ein kompletter Teilbereich der Gleitschirmausrüstung ins Zwielicht geraten ist, mit bis heute unabsehbaren Folgen. Aber mehr noch: Im Protektorendesaster der letzten Monate wurde die Technik zum Lackmustest einer Politik, die angesichts der neuartigen, fast plebiszitären Qualität der Internetkommunikation gewaltig aus der Bahn geworfen wurde.K

Drachen vs. Gleitschirm Im Herbst 1978 habe ich mit einem geliehenen „Bergfex“ (der wog übrigens gerade mal 11 kg), ohne Schulung, also quasi im Selbstversuch, das Drachenfliegen angefangen. So etwas wie „Gleitschirme“ gab es damals noch nicht. Heute stellt sich mir immer wieder mal die Frage: Soll ich? Oder soll ich nicht? Ich meine: wechseln. Vom Drachen zum Schirm. Warum ich dem Drachenfliegen noch immer treu geblieben bin, dazu die folgenden Gedanken. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder wissenschaftliche Überprüfung. Einfach so, aus dem Bauch.

Da Vincis Drachen Die BBC hatte beschlossen, eine Sendung über Leonardo da Vinci zu drehen. Geplant war auch, einige der Maschinen, die Leonardo konstruiert hatte, nachzubauen und zu sehen, ob sie funktioniert hätten. Man einigte sich auf einen Flugapparat, der dem Drachen am nächsten kam und entschied sich gegen die Maschinen, die auf Vogelflügeln basierten, da man dem drachenähnlichem Apparat mehr Chancen einräumte, auch tatsächlich zu Fliegen. Simon Sanderson, der Konstrukteur des „Da Vinci Gliders“, erzählt von seiner spannenden Aufgabe. "Mein Freund Dave Wooton erhielt von der BBC den Auftrag, die nötigen Leute für das Projekt „Leonardo Da Vinci“ zu finden. Zunächst war jedoch jemand anderes beauftragt worden, den Drachen zu bauen, doch plötzlich verlangten diese Leute wesentlich mehr Geld für die Arbeiten und so kam ich ins Spiel. Dave rief mich an, fragte ob ich Lust hätte, den Drachen zu bauen und wieviel ich dafür berechnen würde. Ich hatte eine Stunde, mich zu entscheiden. Also überschlug ich die Kosten und sagte ziemlich schnell: Ja, ich bin dabei. Schließlich war ich schon seit der Schulzeit, während der ich Bücher über seine Arbeiten las, von da Vinci begeistert. Die BBC akzeptierte den Preis und gab mir den Job. Es gab jedoch einen Haken: Sie wollten den Drachen in 10 Tagen haben, dann nämlich sollten die Dreharbeiten beginnen. Ich musste mich also schnellstmöglich motivieren und begann sofort mit der Arbeit. Die BBC schickte mir die Zeichnung der Konstruktion, die nach einem Drachen mit sehr geringer Streckung aussah. Ein großer u-förmiger Bogen bildete den Grundriss der Fläche, er wurde durch zwei Querrohre und einen mittigen Kiel abgestrebt. Anstatt eines üblichen Drachentrapezes befand sich darunter ein t-förmiger Bügel zum darauf Stehen. Ebenso war ein großer bogenförmiger Stab eingezeichnet, der ein bisschen nach den Balancierstangen von Hochseilartisten aussah."

Über Reben schweben Die Weinreben in akkurater und geometrischer Perfektion angelegt, reifen im Weinberg die Früchte harter Arbeit. Der Hang braucht eine bestimmte Neigung zur Sonne und steht günstigstenfalls quer zum Wind, um die Wärme zu halten. Höhe und Menge der Trauben pro Stock beeinflussen Schatten und Feuchtigkeitsgehalt. Von der Rebe über die Ernte bis zum edlen Tropfen mit fruchtigem Abgang ist es ein langer Weg! Drachen- und Gleitschirmflieger stehen einem solchen Berg eher skeptisch gegenüber. Obwohl die starke Neigung und der meist weitläufig angeströmte Hang ihn zum perfekten Startplatz macht. Sich selbst mitsamt des Fluggeräts aber in die Weinstöcke zu setzen, bereitet wenig Vergnügen. Wenn dann zum Materialschaden noch der erregte Winzer mit dem Trecker am Ort des Geschehens aufläuft, ist Schluß mit lustig. Bleibt der einfache aber wertvolle Tipp für den gebiets-unerfahrenen Flieger, die Soaringqualität eines Weinbergs nicht zu knapp über den Rebstöcken auszureizen und seinen Rauschzustand gleich nach dem Start möglichst weit oberhalb des Hangs zu suchen.

Himmlischer Beistand Für viele Piloten ist Disentis nur eine Station auf der langen Geraden von Martigny nach Chur. Dabei gibt es rund um die älteste Benediktinerabtei der Schweiz auch Flüge in ganz andere Himmelsrichtungen. Im Namen Disentis (mit Betonung auf der ersten Silbe) steckt bereits das Programm. Zwei Wege zweigen hier ab. Zum einen nach Westen zum Oberalppass, zum anderen nach Süden Richtung Lukmanierpass, weniger bekannt, aber voller landschaftlicher Reize, und wohl einer der schönsten Alpenpässe überhaupt. Disentis selbst liegt trotz seiner Lage auf 1143 müM tief eingebettet zwischen rund dreitausend Meter hohen Bergen recht geschützt vor allzu harschen Winden. "Dass sich bei Nordwind auf der Oberalp Streckenfluggelüste schnell auf den harten Boden der Tatsache verschlagen können, musste ich einmal unweit der Fellilücke verspüren. Schneller als mir lieb war, lag ich bei Alp Tiarms buchstäblich flach. Meine im Rucksack verstaute Thermosflasche aus Stahl hatte den Schock etwas gedämpft. Sie war schliesslich auch flach; ich dafür unverletzt. Ich hatte einen himmlischen Beistand. Ein herbeigeeilter Berggänger wollte bereits die Rettungsflugwacht hohlen, aber ich konnte problemlos, wenn auch ächzend zur Oberalppasshöhe (2044m) wandern und zu meinem Auto zurückstoppen. Der böse Nordwind war nicht nur durch die Schöllenenschlucht zum Alpenhauptkamm Richtung Gotthard gesaust, sondern auch in einer Abzweigung durch das Fellital. Etwas weiter unten im Tujetsch, der Gegend westlich von Disentis wäre mir wohl nichts mehr passiert. Aber hier hatte mich der Fallwind gefällt. Ein schlimmer Anfängerfehler. Ich wäre besser beraten gewesen, mich wie vor einem Jahr, auf die andere Talseite zu stehlen."

XCitor - Mal eben über die Wolken Den Traum vom Fliegen träumen viele, doch zumeist jeder auf eine etwas andere Weise. Kaum hat man mit einem bestimmten Fluggerät begonnen zu fliegen, tauchen die ersten Überlegungen auf, mit welchem Gerät es vielleicht noch besser, einfacher und bequemer geht? Mit dem Paramotor auf dem Rücken kommt man zwar preiswert und recht einfach in die Luft, aber für viele stellt sich das zu schulternde Gewicht von weit über 30 kg schnell als gravierender – wenn nicht gar unakzeptabler - Nachteil dar. Es war daher in der Entwicklung der Motorschirmfliegerei naheliegend, den Motor nicht auf dem Rücken des Piloten, sondern an einem fahrbaren Untersatz zu befestigen. Es entstanden dreirädrige, mehr oder weniger filigrane Konstruktionen, die mit den herkömmlichen Motorschirmen und Motoren geflogen werden können. Um diese aber zu transportieren, brauchte der Pilot nun plötzlich einen zusätzlichen Anhänger – der Aufwand und die Kosten stiegen somit nicht unbeträchtlich. Ein Nachteil, der nun wiederum die Entwicklungsmaschinerie antrieb. Der Marktführer Fresh Breeze entwickelte das Flyke, ein dreirädrigres Fahrrad als motortragender Untersatz, und der Anhänger war nicht mehr nötig. Man kann sportlich damit zum Flughafen radeln und einfach irgendwohin fliegen. Einmal angekommen, radelt man dann weiter. Ein durchaus sympathisches und sportliches Konzept für diejenigen, die von der eigenen Wiese starten oder in der Nähe des Flughafens wohnen. Die anderen brauchen halt wieder den Anhänger. Und es gibt noch einen Nachteil: Manch einen hat es mit diesen relativ leichten und filigranen Geräten hin und wieder beim Start einfach umgehauen, z.B. wenn der Schirm bei böigem Wind seitlich hochkam. Die Suche ging also weiter. Ein Dreirad ist im Prinzip okay, aber es sollte halt viel stabiler sein, nicht mehr umkippen und….ja, die Sache mit dem Anhänger – wäre schön, wenn man den nicht bräuchte. Wieder tüftelten die fleißigen Ingenieure „et voilá“ der XCitor war plötzlich da.

Aeros Combat L12 Endlich hat sich die Sonne durch die hartnäckige Wolkendecke gekämpft, der Wind bläst konstant den Hang herauf und ich stehe startfertig auf der Rampe. Eigentlich sollte ich mich auf den anstehenden Thermikflug freuen. Stattdessen bin ich ziemlich angespannt, was weniger daran liegt, dass ich den Winddummy für die 22 Starrflügelpiloten beim diesjährigen Alpen Open in Gnadenwald spielen darf, sondern am Gerät, mit dem ich fliegen soll. Während des Bewerbs habe ich die Gelegenheit, einen Combat L 07, den aktuellen turmlosen Hochleister von Aeros zu testen. Nicht dass ich mich vor Hochleistern fürchten würde, mit dem Vorgängermodell habe ich allerdings noch eine Rechnung offen. Nach zwei kurzen Flügen, bei denen mir jedes Mal das Herz in die Hose gerutscht war, verzichtete ich auf weitere Testflüge und gab das Gerät ziemlich zerknirscht zurück. Der damalige Combat war für sein eher nervöses Handling bekannt, dass mein Testgerät aber so extrem kurvengierig war, hatte mich doch etwas schockiert. Es war mir nämlich nicht gelungen auch nur eine kurze Strecke geradeaus zu fliegen. Eigentlich halte ich mich nicht für einen Grobmotoriker, beim Combat fehlte aber eindeutig das nötige Feingefühl. Der Drachen reagierte unabhängig von VG-Stellung oder Geschwindigkeit für mich unkalkulierbar auf seitliche Steuerinputs, was den einen oder anderen unbeabsichtigten Wingover zur Folge hatte. Nur mit größter Konzentration auf minimale Gewichtsverlagerung gelang es mir, die Kiste in einem Stück wieder auf den Boden zu bringen.

Als Anfänger am Atos VQ Als ich vergangenes Jahr die Umschulung von Schirm auf Drachen machte, faszinierten mich neben dem völlig anderen Fluggefühl unterm Drachen zwei weitere Dinge: Die größere Ernsthaftigkeit, die das Drachenfliegen allein schon dadurch gewinnt, dass es umständlicher ist und man in der Regel nur einmal am Tag startet. Und die höhere Leistung der Geräte, die das Fliegen entspannter und angenehmer machen sollte, zum Beispiel wegen des größeren Einsatzbereichs bei Wind. Damals kam auch Felix Rühle auf mich zu: ob ich Lust hätte, Atos VQ zu fliegen? Er sei überzeugt, dass dies für Drachenneulinge kein Problem sei, vorausgesetzt, sie eigneten sich überhaupt zum Drachenfliegen. Seine Idee war, dass ich gerade mit meiner geringen Erfahrung Atos VQ fliegen sollte, um ein Beispiel abzugeben. Ich war sofort begeistert und meine Freundin besorgt.

Pfingsten - Ein Fliegerfest Diesmal hat Petrus sein Herz auf dem rechten Fleck, denn ganz Mitteleuropa liegt dieser Tage unter einem Hochdruckgebiet. Obwohl „Marco“, so heißt das Frühlingshoch, an manchen Tagen in Norddeutschland wol-kenlos daherkommt, überschlagen sich die Meteorologen mit guten Flugwetter-Prognosen, sodass im thermisch bevorzugten Alpenraum die Streckenrekorde nur so purzeln. Im flachen Nordosten dagegen bleibt das Thermik-fliegen mühsam. Immerhin schaffen Neithard und ich am Freitag vor Pfingsten eine Drachen-Strecke von fast 130 Kilometern ab Altes Lager. Dabei besteht unsere größte Sorge darin, nicht abzusaufen, denn im wunderbar blauen Himmel sind Thermikflieger quasi behindert, finden sie doch die Bärte eher nur zufällig.

AeroMag - Blindes Vertrauen Die klassische Sollfahrttheorie wurde von McCready für den Segelflug entwickelt. Sie geht von der Annahme eines Durchschnittswertes für das erwartete Steigen aus und schlägt dem Piloten optimale Geschwindigkeit vor, um in verschiedenen Windbedingungen abhängig von der Gerätepolare den schnellsten Schnitt zu fliegen. Diese Theorie lässt sich natürlich auch auf alle anderen motorlosen Flugzeuge anwenden, einschließlich der Starrflügler, Drachen und Gleitschirme. Mein Eindruck war immer, dass die Theorie mir erstaunlich schnelle Geschwindigkeiten empfahl, besonders bei schwachen Bedingungen kombiniert mit Gegenwind. Tatsächlich fliegen die wenigsten Gleitschirmpiloten nach der Theorie. Dieser Artikel untersucht die Gründe, weshalb Gleitschirme nicht immer nach Sollfahrttheorie fliegen sollten.

Starrflügel-Weltmeisterschaft am Monte Cucca Am Monte Cucco fand unlängst die Weltmeisterschaft in den FAI-Klassen 1,2 und 5 statt, also fl exible Drachen der Damen, Starrfl ügler (Atos, Stratos, Phantom) und Starrflügler mit Verkleidung (Swift light, Millennium). Hier wollen wir einige Impressionen von der Starrflügel-WM zusammentragen und Teilnehmer des deutschen Teams sowie den neuen Weltmeister zu Wort kommen lassen. Bemerkenswert war, dass von 43 Teilnehmern 39 Geräte von AIR flogen. Es kann also wirklich davon gesprochen werden, dass der beste Pilot ermittelt wurde, denn gerätemäßig hatten die Teilnehmer im Grunde gleiche Voraussetzungen. Von allen Piloten betont wurde die hohe Sicherheit, die den Spaßfaktor deutlich erhöhte. Im Gegensatz zu den flexiblen Drachen gibt es die Pitchproblematik bei den Starren nicht, die Piloten können sich Leistung nicht auf Kosten von Sicherheit „erkaufen“.
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